Der blinde Passagier
1938. Ein dänisches Paketboot liegt vor der deutschen Küste bereit zur Abreise in die Heimat. An Bord befinden sich Kapitän Petersen, seine Kinder Carl und Nina sowie Steuermann Jörgen, Ninas Verlobter. Am frühen Morgen hat Carl einen Mann aus dem kalten Wasser gezogen und ihm so das Leben gerettet. Der fremde Mann heißt Fritz Hartmann und wird als jüdischer Arzt von den Nationalsozialisten verfolgt. Er braucht Hilfe und hofft auf einen Weg über die Grenze. Ohne zu zögern versteckt Carl ihn unter Deck. Doch lange bleibt der blinde Passagier an Bord des kleinen Schiffs nicht unentdeckt und das eben noch sichere Versteck wird zunehmend zur Gefahr. Denn auch wenn Carl und Nina dem Mann in Not über die deutsche Grenze helfen wollen, möchte vor allem Jörgen kein Risiko eingehen. Die Situation spaltet die vierköpfige Crew und drängt sie in eine moralische Zerreißprobe, deren Ausgang womöglich über Leben und Tod entscheidet.
"Der blinde Passagier" ist eines von insgesamt drei Theaterstücken aus dem erst kürzlich veröffentlichten Nachlass der österreichischen Schriftstellerin Maria Lazar. 1938 / 1939 im dänischen Exil entstanden, zu einer Zeit also, in der Lazar selbst aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurde, fragt die Autorin in diesem Stück in aller Schärfe und mit viel Präzision nach Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung im Angesicht faschistischer (Un-)Rechtssysteme. Denn: Halten Werte stand, auch wenn sie das eigene Wohl bedrohen? Und wie viel ist man tatsächlich bereit, für einen Fremden zu riskieren? Ein dichtes und poetisches Drama über Widerstand und Zusammenhalt, das von erschütternder Aktualität ist.
Besetzung
"Es ist eine der besten Produktionen, die in dieser Spielzeit am Haus herausgekommen ist. […] Figueroa inszeniert 'Der blinde Passagier' als düsteren Thriller, zu dem alle Gewerke eindrucksvoll beitragen." – Münchner Merkur
"Der Fokus der Regie liegt immer wieder auch auf der Technik, was eine dichte Choreografie ergibt, vom Ensemble hervorragend vollzogen. Figueroas Inszenierung ist betörend in der Bildgestaltung. […] Die Kombination von Filmbildern und realistischem Theaterspiel ergibt faszinierende Tableaus. […] Was für eine tolle Inszenierung." – Abendzeitung
"Mit den Schwarz-Weiß-Filmen vom Meer, die sich bisweilen auch noch vor und hinter die Szenerie legen, und dem ebenfalls mehrlagigen, sehr auf Suspense gebürsteten Soundtrack von Ketan Bhatti tragen Figueroa und sein Team atmosphärisch ganz schön dick auf. Aber es funktioniert erstaunlich gut. 'Der blinde Passagier' ist in München ein dichter, ein wenig glatter, aber soghaft wirkender Psychokrimi." – nachtkritik.de
Hinweise zur Inszenierung
- Die Inszenierung thematisiert Suizid und Antisemitismus
- Einsatz von Stroboskoplicht
- Einsatz von Zigaretten und Kräuterzigaretten
- Einsatz von Schussgeräuschen