Vorstellungsausfall
Die für Donnerstag, den 08. Oktober geplante Vorstellung von "Echtzeitalter" muss krankheitsbedingt leider ersatzlos entfallen. Unsere Theaterkasse kontaktiert alle Kartenkäufer*innen per E-Mail.
Während eines durch Angststörungen bedingten Klinikaufenthalts stößt der Journalist Andreas Bönte auf die verdrängte NS-Vergangenheit seiner Familie. Seine Recherchen ergeben: Sein Großvater war in führender Position in der SA aktiv und führte am 9. November 1938 einen Schlägertrupp an, der die örtliche Synagoge zerstörte und Wohnungen jüdischer Familien stürmte. Seine Mutter, begeistertes Mitglied des BDM, fand als 17-Jährige ihren Vater, der sich 1944 im Elternhaus erschossen hatte. Traumata und Scham führen dazu, dass die Familiengeschichte jahrzehntelang totgeschwiegen wird.
Im Gespräch mit dem Psychologen und Autor Louis Lewitan begibt sich Andreas Bönte auf eine bewegende und offene multimediale Reise durch seine Familiengeschichte. Persönliche Dokumente und Bilder zeigen, wie sein Großvater zum Täter wurde, wie aus jüdischen Freunden und Nachbarn ausgegrenzte „Nicht-Menschen“ wurden und wie Kinder und Jugendliche in Hitlerjugend und BDM zu überzeugten Nationalsozialisten und Antisemiten erzogen wurden. Zugleich geht es um Verdrängung, Scham und die Weitergabe von Traumata an die nachfolgenden Generationen.
Musikalisch begleitet wird der Abend von Massel-Tov mit traditioneller jiddischer und osteuropäischer Musik – gefühlvoll und melancholisch, aber auch temperamentvoll und feurig.